Die Bedeutung des Aquariumgrundes

Bei der Einrichtung eines Aquariums wird stets ein möglichst naturnahes Erscheinungsbild angestrebt, sodass sehr wohl bereits im Vorfeld der Planung vor allem auch der Bodengrund berücksichtigt werden muss. Ein Aquarium ohne Bodengrund wäre zwar prinzipiell möglich, doch schmälerte dies die Optik des zukünftigen Beckens beträchtlich. Für Aufzucht- oder auch Quarantänebecken ist ein Bodengrund natürlich nicht notwendig, doch sollen derartige Becken hier nicht näher behandelt werden. Ziel soll es sein, den Bodengrund in einem herkömmlichen Aquarium näher zu behandeln und auf etwaige Besonderheiten einzugehen.

Wozu einen Aquariengrund?
In jedem Aquarium sollten eine gewisse Anzahl Wasserpflanzen vorhanden sein, da diese Pflanzen durch Photosynthese Sauerstoff produzieren, welchen die Fische zum Überleben benötigen. Damit diese Wasserpflanzen wurzeln können, bedarf es eines Substrates. Dieses Substrat ist der Bodengrund. Er hat also die primäre Aufgabe, den Pflanzenwurzeln Halt zu geben und mit Nährstoffen zu versorgen. Sekundär hat der Bodengrund aber auch noch die Aufgabe, das Wasser biologisch aktiv zu halten, da in ihm zahlreiche Bakterien leben, welche die Stoffwechselabbauprodukte der Fische entsprechend umwandeln. Somit produziert der Bodengrund auch einen Teil des Düngers, welchen die Pflanzen wiederum aufnehmen können.

Aufbau der Bodengrundschicht
In früheren Zeiten wurde dem Bodengrund zumeist kaum eine wirkliche Bedeutung beigemessen. Zudem gab es auch nur sehr wenige Wasserpflanzen im Handel. Er bestand hauptsächlich aus grob gewaschenem Kies, der für einfache Wasserpflanzen ausreichend war. Gelegentlich spülte man diesen dann aus und setzt die Pflanzen erneut ein. Aufgrund dieser Tatsache kippten derartige Aquarien regelmäßig biologisch um, da der komplexe biologische Nutzen der Bodengrundschicht nicht erkannt wurde.

Je nach Beckentyp und geplantem Filtersystem, kann grundsätzlich zwischen zwei unterschiedlichen Bodengrundtypen unterschieden werden. Zum einen den Bodengrund für Beckenbodenfilter und zum anderen den Bodengrund für Innen- oder Außenfilteranlagen. Beide Varianten haben Vor- und Nachteile.

Soll ein Beckenbodenfilter zum Einsatz kommen, so ist nach Möglichkeit steiniger Sand mit grober Körnung zu wählen. Die Körnung muss dabei so groß sein, dass der Bodengrund die Ansaugöffnungen der Filtermatte nicht verstopfen kann. Günstig sind Körnungen um 2 Millimeter. Dies kann Kies, aber auch feiner Schotter sein. Auf Nachfrage stellt jedes Kieswerk unterschiedliche Körnungen zur Auswahl und gibt Kleinmengen auch schon einmal kostenlos ab. Der Kies muss natürlich vor dem Einbringen mehrmals kräftig durchgewaschen werden, da er gemeinhin viele Trübstoffe enthalten kann. Die optimale Einschutthöhe sollte zwischen 3 und 5 Zentimeter betragen; je größer die Körnung, desto höher kann die Bodengrundschicht sein. Bei kleineren Körnungen entsprechend weniger. Die Einschütthöhe hängt natürlich auch von der Leistung der entsprechenden Filterpumpe ab.

Wenn ein Innenfilter mit Lufthebeprinzip oder ein Außentopffilter eingesetzt werden sollen, kann der Aufbau der Bodengrundschicht gänzlich anders vorgenommen werden und es ist nicht so sehr auf die Körnung zu achten. Nachfolgend einige Beispiele für derartige Bodengründe.

Der Sandboden
Sehr attraktiv anzuschauen und durchaus effektvoll kann ein Sandboden im Aquarium sein. Er stellt für die Fische ein Optimum dar, da gründelnde Arten gerne den feinen Sand auf der Suche nach Nahrung durchwühlen. Sand kommt der natürlichen Hälterung der Fische sehr nahe und diese fühlen sich sichtbar wohl. Dabei spielt die Farbe des Sandes (weiß oder gelblich) keine entscheidende Rolle. Der Sand sollte nicht zu fein sein und eine Körnung von etwa 0,5 Millimeter aufweisen. Wird zu feiner Sand verwendet (Ostsesand), so wird dieser relativ schnell durch die Filter abgesaugt, da die Fische diesen permanent aufwühlen und in Bewegung halten. Bei der Verwendung von Sand als Bodengrund müssen Vorkehrungen getroffen werden, um ein Aufschwimmen oder Ausgraben der Wasserpflanzen zu verhindern. Bewährt haben sich Beschwerungen aus (reinem!) Zinn in Drahtform, welcher um den Wurzelballen herum angebracht wird. Möglich ist auch ein Einsetzen der Pflanzen in kleine Töpfe. Größter Nachteil von Sandböden ist das nur sehr langsame Wachstum der Pflanzen, da er eher nährstoffarm ist. In einem Aquarium mit Sandboden muss daher regelmäßig entweder Flüssigdünger eingebracht oder aber Bodengrunddünger eingesetzt werden. Ansonsten kümmert der Pflanzenbestand vor sich hin oder stirbt unter ungünstigen Nährstoffbedingungen mit der Zeit ab. Dies macht sich in einem immer kleiner werdenen Wuchs bemerkbar.

Der Kiesboden
Im Gegensatz zu einem reinen Sandboden, ist ein Kiesboden wesentlich effektiver im Hinblick auf die Reinigungswirkung des Aquariumwassers, da sich in ihm mehr Bakterien ansiedeln können. Bedingt durch die größere Körnung, gelangt mehr sauerstoffhaltiges Wasser in tiefere Bodengrundschichten und die Bakterien können die Abbauprodukte schneller aufspalten und umwandeln. Vor allem auch bezüglich der Pflanzen, stellt ein Kiesgrund die bessere Alternative dar. Auf ihm wurzeln die Wasserpflanzen sehr schnell und erreichen stattliche Wuchshöhen. Ein Kiesboden kommt mit sehr wenig zusätzlichem Dünger aus, da die Abfallprodukte in Form von Futterresten, Kot und Mulm dafür ausreichend vorhanden sind. Dennoch spricht natürlich nichts gegen eine gelegentliche Düngung von Kiesböden. Dies wird vorzugsweise mit Tonkugeln vorgenommen, welche die Pflanzennährstoffe über einen sehr langen Zeitraum zur Verfügung stellen. Der Nachteil eines Kiesbodens besteht in der für gründelnde Fische nicht mehr optimalen Hälterung. Zudem sehen die meisten im Handel angebotenen Kiesmischungen nicht besonders effektvoll aus. Unter Umständen wirkt ein fertig eingerichtetes Aquarium unnatürlich, da das Farbenspiel des Kieses unter ungünstigen Lichtverhältnissen leicht kitschig aussehen kann. Soll Kies Verwendung finden, so ist unbedingt auf eine einheitliche Farbe zu achten; leichte Gelbtöne sind immer gut, weißer oder brauner Kies hingegen ist unpassend. Auch sollten die Finger von eingefärbtem Kies gelassen werden, da die Kiesel mit der Zeit unansehnlich werden.

Von Mischböden ist generell abzuraten, da die eingebrachten Schichtdicken zu groß werden. Zudem ist eine Vermischung der Ober- und Unterschicht im Laufe der Zeit sehr wahrscheinlich, was das Aussehen eines Aquariums ruinieren kann. Auch besteht die permanente Gefahr von Faulstellen im Bodengrund aufgrund zu geringer Wasserzirkulation.

Der Steingrund
Er wird vor allem bei Fischbesätzen verwendet, welche kein reines Bodenleben führen. Die Steine sollten zwischen 5 und 10 Millimeter groß sein und auf jeden Fall eine abgeschliffene oder rundliche Form aufweisen. Beim Einsatz von Steinen als Bodengrund ist es notwendig, den Beckengrund zunächst mit einer Lage Torf auszulegen (etwa 2 cm) und über den Torf eine etwa 1 Zentimeter dicke Lehmschicht aufzubringen. Der Lehm sollte mit feinerem Kies durchmischt werden. Auf diese Schicht kommen dann etwa 5 cm Steine. Es ist darauf zu achten, die ersten Steine mit der Hand in den Lehmboden einzudrücken. Dies verhindert später, dass der Lehm das Wasser permanent trübt. Der Vorteil eines derartigen Bodengrundes besteht in einem besonders üppigen und langanhaltenden Pflanzenwuchs. Zusätzliche Düngungen des Bodengrundes sind bei dieser Variante nicht notwendig.

Sonderböden
Spezialisten hältern gelegentlich Fische, welche in trüben oder stark lehmhaltigen Gewässern beheimatet sind. In diesen Fällen werden die Becken mit einem speziellen Bodenmulm aus sehr lange eingeweichtem Torf und/oder Blattwerk, Ästchen, Rindenstücken etc. ausgestattet. Für solche Becken eignen sich jedoch nur sehr schwache Innenfilteranlagen, um die Wasserumwälzung und die damit verbundene Verwirbelung so gering wie möglich zu halten.

Die Reinigung des Bodengrundes
Entgegen landläufiger Meinungen ist es nicht notwendig, den Bodengrund mit einer Mulmglocke oder ähnlichen Hilfsmitteln zu säubern, da eine gut positionierte Umwälzung des Wassers die Schmutz- und Mulmpartikel ganz von allein in Richtung der Absaugrohre befördert. Lediglich größere Blattreste sollten manuell aus dem Aquarium entfernt werden. Ein gut eingefahrener Bodengrund reinigt sich selbst und bedarf kaum der Zuwendung des Menschen.

Bei der Auswahl des Bodengrundes spielt auch eine Rolle, ob das Aquariumwasser sehr weich sein soll oder eher eine gewisse Härte haben darf. Nicht alle Fische stellen dieselben Ansprüche an die Wasserhärte. Zu weiches oder zu hartes Wasser sind in der Regel ungünstig. Diese Tatsache kann über die Auswahl des Bodengrundmaterials von vornherein beeinflusst werden und es kann beispielsweise Granitschotter oder feinerer Kalksteinsand verwendet werden. Diese Materialien härten das Wasser im Aquarium bis zu einem gewissen Grad auf und es muss eine Einstellung der Härte über Frischwasserzugaben geregelt werden.

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